Ein paar Aspekte zum Kirchturm und zur Glocke

Waldenserkirche in Welsch-Neureut erhält im Jahr 2012 vier neue Glocken.

Sechzig Jahre nach den drei Stahlglocken werden vier Bronzeglocken eingebaut.

Grosser Gott, so oft wir Dich suchen und nicht finden, so zeigst Du Dich doch in kleinen Dingen des Alltags, einem freundlichen Lächeln eines mir vertrauten Menschen,  Du bist sichtbar in dem fremden Menschen, dem ich in der Strassenbahn meinen Platz anbieten darf.

Die ersten Christen in Rom mussten sich in Katakomben verstecken, kein sichtbares Zeichen durfte Ihren christlichen Glauben erkennen lassen.
Erst durch die Umwandlung eines profanen Gebäudetypus, einer Markthalle, eines aus Stein und Holz errichteten städtischen Gebäudes, wurde Deiner Präsenz ein für alle sichtbarer Ausdruck im öffentlichen Raum gegeben. Nicht viele Generationen davor noch wurde einer Deiner ersten Anhänger, Stephanus, gesteinigt. Mit Steinen getötet. Mit der Lateransbasilika entstand ein erstes Gebäude aus Stein als Gotteshaus mitten in Rom, der Hauptstadt eines Weltreiches. Sichtbar für alle Welt.

Sichtbar vor über 60 Jahren hier im südlichen Teil von Neureut waren Ruinen einer kleinen Kirche. Welch Mut und Zuversicht hatten unsere Vorfahren, dass Sie trotz höchster finanzieller Mängel die Kirche wieder aufbauten. Und nicht nur das, man errichtete einen neuen Glockenturm, einen höheren Turm als der alte. Das neue, für alle sichtbare Zeichen im Strassenraum ist auf der Nordseite hinzugekommen. So sieht man die Kirche schon von weit her. Selbstbewusst trägt das Bauwerk zur Verkündigung Deiner Guten Nachricht bei. Dass der Glockenturm in der Art eines grossen Baumeisters von Karlsruhe, Friedrich Weinbrenner, errichtet wurde, ehrt dessen Architekturstil und zeugt von der Achtung gegenüber der Geschichte, so ähnlich wie es in jüngerer Zeit auch der kürzlich verstorbene Baumeister O.M. Ungers mit seiner Referenz der Badischen Landesbibliothek gegenüber St. Stephan getan hat.

Jetzt, 60 Jahre nach der Weihe des ersten Geleutes, haben neue Glocken, nun mit weichem Ton und abgestimmt auf die anderen Glocken in Neureut, deren Platz eingenommen in unserer kleinen Waldenserkirche, die sich mit Ihrem Turm stolz im Strassenraum zeigt; dafür danken wir Dir.

Hans Robert Hiegel, Architekt und Kirchenältester Waldensergemeinde, 21. und 31. Juli 2012

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