Der Jakob-Wanderweg führt durch Lambsborn.

Herzlichen Glückwunsch Otto !

 

Lieber Pa, lieber Opa, lieber Gross-Vater,

sozusagen Schwieger-Vater. Ein Sack voller Geld heute, übermorgen drei Säcke und der Gegenwert: ein einziges Laib Brot.

Das war 1925 – nur wenige Jahre nach dem Höhepunkt der Inflation hatte Ur-Oma Sophie den Mut zu einem zweiten Kind.

Otto wird am 8. September geboren. Auf den Tag genau ein Jahr später wird Deutschland einstimmig in den Völkerbund aufgenommen. Schon 2 Jahre später: Weltwirtschaftskrise. Sophia, die Weisheit, Otto, der Besitzer des Erbgutes. 1933, Otto ist acht Jahre alt, beginnt eine neue Zeit in Deutschland. Ein Aufbruch, Euphorie.  1937 stirbt der Vater, Vorbild wird sein Pate und Cousin in Mannheim, Albert Bollinger. Väterlicher Betreuer Onkel Albert Kiefer in Saarbrücken. Er war wichtig in der saarländischen SPD, massgeblich bei der ASKO. Auch für mich, den hier berichtenden, war Onkel Albert Vorbild. Nach Lambsborn kommt der Führer. Besucht den Bunker.  Opa ist drei Meter entfernt. Der Bunker dann Führer-Bunker. Auch heute gibt’s ihn noch, unzerstört, im Privatbesitz. Schon 5 Jahre später zeigt sich der Abgrund. Synagogen brennen. Kurz danach beginnt der Krieg, es brennen die Todesöfen in den KZ’s. Meine Oma erhält die Nachricht, dass ihr 2 Jahre älterer Sohn, Robert, bei Stalingrad gefallen ist.  Wenig später:  Der zweite Sohn meiner Oma Sophia, Otto, jetzt kaum 17 Jahre alt, wird in den Krieg geschickt. In die Bordfunkerausbildung, zum fliegenden Personal. Aus Kulanz und Menschenliebe darf er zuvor noch ein Semester Bauschule nehmen. Es brennt die Welt. In Ungarn wird der Panzer, in dem mein Vater als Funker sitzt, getroffen. Noch kurz zuvor gings hoch zu.

Jochen Bröker ist der Retter, holt Dich, lieber Pa, aus dem brennenden Panzer. Vor genau 10 Jahren wurde daran erinnert. Die Atombombe fällt, über 200 tausend Japaner sind auf einen Schlag tot. Der Krieg ist aus, Otto kurz in Gefangenschaft. Die – sicher hübsche  – russiche Ärztin mustert Otto aufgrund seiner Verletzung aus, er wird als Invalide aus dem Lazarett in dem Prag entlassen, mit Kahlkopf und entlaust. Dann wieder zuhause in Lambsborn. UrOma Sophie ist glücklich. 1947 ist Otto schon wieder auf der Bauschule, alle Hopp ! Bald darauf  ist auch auch Opa Otto glücklich. Er hält den Kerwespruch. Ein Mädchen, mit dem er schon im Alter von 11 Jahren den Schleier zu einer Hochzeit getragen hat, „nein, die heirate ich nicht“, ist in ihn verliebt. Die Liebe erwidert. Mit dem Fahrrad ist das traute Paar im Urlaub in Schwarzwald unterwegs. Idylle und Glück.  Bald danach wird das ersehnte erste Kind geboren. Meine Schwester Ursula. Otto ist 27 Jahre alt, seine Ehefrau Gertrud, liebe Ma, Du bist dann 24. Mit dreissig, lieber Pa, bist Du bereits  erfolgreicher Mitarbeiter bei Pfaff, einer Welt-firma mit Sitz in Kaiserslautern. Dein Sohn Hans, ich, ist schon eins. Wenige Jahre später bist Du stolzer Besitzer des ersten  Autos in Lambsborn, ein Brezel-VW. Kleine Kinder kleine Sorgen. Das Wirtschaftswunder. Das Wunder von Bern.  Nierentisch, Tütenlampe, Cornelia Frobes, Peter Kraus und Konrad Adenauer. Maiglöckchenduft und Gummibaum.  Pelé, Maryline Monroe, Sepp Herberger und Chrustschow. Glückliche Zeiten. Familienurlaub in Österreich, Italien. Mallnitz, Bozen, Triest. Du arbeitest an der Deutschen Industrie-Norm mit. Die Kinder gehen zur Schule. Die Pubertät mit ihren Qualen und ihren Freuden. Ursula macht eine Banklehre, Hans arbeitet in den Ferien auf dem Bau. Ist gut in der Schule, geht durch Krisen. In all diesen Zeiten bist Du immer für Deine Familie da. Ausgleich zum Beruf und der Hektik des Alltags findest Du in einem neuen Hobby. Der Jagd. Ein Bereich, der Dich ausfüllt und Dir viel Freude bereitet. Ähnlich wie die Mitarbeit an leitenden Stellen bei der Bauhütte der Pfalz. Hier klinkst Du Dich noch heute sporadisch ein, trägst das Zeichen des Edlen und Besonnenen. Bist Baustein als Glied einer Kette, eines nach oben strebenden Werkes. Anders bei der Freiluft-Tätigkeit. Dort gibst Du viele Jahre später voller Klugheit und Weisheit das Amt der Jagd zurück. Andere haben jetzt Verwendung und Verantwortung für die Instrumente, für die Waidmanns-Werkzeuge und das Viele, das mit einer Pacht verbunden ist.  Mit Deiner lieben Frau, unserer Oma und Mama, verbringst Du nun mehr Zeit. Oma geht schwimmen, Du ruhst Dich aus, gehst spazieren, unterhältst Dich, machst Holz. Du nimmst Dir mehr Zeit für Dich. Kümmerst Dich um Deinen Waldbesitz. Bist einer der Initiatiatoren und Mitarbeiter des Dorfbuches, schaffst Identität für Deinen Heimatort Lambsborn, dem Du Dein Leben lang, mancher Verlockung widerstehend, treu geblieben bist. Die Resultate Deine Ahnenforschung fasst Du in einem ansehnlichen Buch zusammen. Mit gut 75 ist Deine Familie fast Grossfamilie. Sie ist durch Deine beiden Kindern auf 6 Enkel gewachsen. Nun ist’s grosszügig: rechnen wir Ex-Eheleute und die Lebenspartner dazu und zusammen, kommt die Grossfamilie auf einiges mehr als ein Dutzend. Und, wie anders heute wie damals nicht anders, auf fast ein halbes Dutzend Familiennamen*.

Hier zumindest Deine Enkel: David, Lena, Esther, Julian, Markus und Thomas. Der Jüngste gut 4.einhalb, der Älteste 27

Nicht alle auf einmal, mit unterschiedlichster Taktfrequenz, aber herzlich, voller Gastfreundschaft und Liebe werden wir empfangen. Oma’s Essen ist gut, gesund und den Rest des Kuchens dürfen wir mitnehmen. Deine Gesundheit lässt mal zu wünschen übrig, wir hoffen, nach den letzten Operationen ist das Tal durchschritten.

Vielleicht übertrumpfst Du an Jahren noch Deinen Onkel Albert in Saarbrücken. Man achtet und respektiert Dich als Ratgeber und seit ein paar Jahren vermehrt, als Beitragender zur öffentlichen Meinung. Sei es als Autor, Dein Artikel über die Stalingrad-Reise hat grosse Resonanz gefunden, sei es, indem Deine sowohl schönen als auch tiefgründigen Photos in der Zeitung abgedruckt werden.

Zum Schluss: Herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag Otto ! Am gleichen Tag, dem 8. September 1925, ist der englische Schauspieler und Komiker Peter Sellers geboren. Durch den „Rosaroten Panter“ und  „Inspektor Clouseau“ bekannt geworden, bereits vor 25 Jahren gestorben. Grüsse überbringen darf ich Dir von Hilmar Hoffmann, dem legendären Kulturdezernenten Frankfurts, ex-Präsidenten des Goethe-Institutes, das deutsche Kultur in alle Welt brachte und bringt. Vor vierzehn Tagen wurde er achtzig.

Mario Adorf, der grosse Charakterschauspieler, feiert seinen heutigen – 75ten –  Geburtstag im Münchner Prinzregententheater. Wie Richard Löwenherz, der legendäre englische König mit Pfälzer, Annweiler, Vita, bist Du an einem 8. September geboren.

Diese sind weit weg – Du bist hier bei uns !

Lieber Pa, im Namen von uns allen: wir wünschen Dir noch viele Jahre voller Gesundheit, Erfüllung, Glück & Gottes Segen.

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