Eine kleine Architekturarbeit Anfang 2012

Überlegung zu stützendem Altarstein

Die bestehende Situation des Altars mit einem metallenem, der Aussteifung dienenden Andreaskreuz, war durch die unpassende Geometrie ästhetisch unbefriedigend. Daher hat sich der Kirchengemeinderat zusammen mit Architekt H.R.Hiegel zugunsten einer einfachen, zurückhaltenden Lösung, entschieden.

Der rote, zum bestehenden Sandstein passende neue Stein ist etwa so dick wie die beiden bestehenden seitlichen Pfeiler, also 10 Zentimeter.
Die Breite richtet sich nach dem in der Mitte liegenden, inneren Muster des Paramentes und beläuft sich daher auf 31 cm. Nach mehrfacher Überprüfung und Alternativdiskussion, lies mich die schmale, schlanke Proportion doch nicht ruhen. Ich war am späten Samstagnachmittag, nur vier Tage vor dem ins Auge gefassten Fertigstellungstermin nochmals vor Ort und habe verschiedene Aspekte zu Material, Position in den drei Dimensionen ergänzend geprüft.
Der Stein ist 80 cm hoch, hat unten und oben schmale Fugen, die vorhandenen Bodenplatten sind in der Regel 40 mal 40 cm, leider aber nicht regelmässig verlegt, assymmetrisch zur Längsachse der Kirche.
Dennoch, nach Erwägung aller Umstände und gutes Steinmaterial, eine feste Verankerung oben und unten voraussetzend, bleibt es beim bereits gemeinsam mit Vertretern des Kirchengemeinderates (grob) festgelegten Maß: 31 mal 80 cm, einunddreissig mal achtzig. Zehn Zentimeter Dicke.
Diese Abmessungen ergeben ein Quadrat, wie die – meisten – darunterbefindlichen Bodenplatten, und ein darüber oder darunter stehendes Rechteck in den Proportionen des Goldenen Schnittes. Damit die Aussteifung funktioniert, wird die Stele im Winkel von neunzig Grad zu den Seitenflügeln und senkrecht dazu, mittig positioniert, aufgestellt. Unten und oben mit Edelstahldübeln verankert. Gut so.

Neue, stützende und aussteifende Mittelstele des bestehende Sandsteinaltars, Entwurf H.R.Hiegel, auf dem Handwerker-LKW vor Gemeindehaus und Waldenserkirche, Kirchhofstrasse. Das neue Steinmaterial ist sehr ähnlich dem bestehenden und knüpft an die Tradition des von Friedrich Weinbrenner im 19ten und Oswald Mathias Ungers im 20ten Jahrhundert verwendeten roten Sandsteins bei deren Bauten in Karlsruhe an.

Fugen oben und unten sind minimiert, das beschriebene Quadrat ist durch eine Fuge mit Fasen markiert, das Quadrat unten, das Rechteck darüber, alle Fasen mit etwa zwei Millimeter Radius ausgeführt. Die bestehenden quadratischen Bodenfliesen im neun Zentimeter grösseren Format von vierzig mal vierzig Zentimeter, assymmetrisch zur Längsachse der Kirche verlegt, verlangen nach Ruhe, die durch das untere Quadrat, durch die Übernahme der Proportion entgegengebracht wird. Die beiden Leerräume links und rechts der Stele bilden Öffnungen mit den ungefähren Abmessungen zweier aufeinanderstehender Quadrate. Die Quersumme der Zahl einunddreissig, der Breite der Stele, ist vier und verweist im Kontext der Kirche auf die vier Evangelien. Einunddreissig selbst lehnt sich an das überlieferte Kreuzigungsalter Christi an.

Nach Fertigstellung erfolgt ein weiterer bebilderter Bericht.

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